Bürgerinitiative

            gegen die Erweiterung

                                            des Mackenheimer Steinbruchs

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Schriftverkehr mit dem Landverkäufer

 

 

In einem verzweifelten Versuch, die eigenen Beweggründe und die Ausmaße und Konsequenzen der unverantwortbaren Planungen vermitteln zu können, wendet sich der BiSS-Sprecherausschuss am 01.08.2002 mit folgendem Schreiben an Karl Berghegger, den Haupteigentümer des Erweiterungsgebietes.
Karl Berghegger ist ein Mackenheimer Landwirt, der seinen Hof in vierter Generation betreibt und nun bereit ist, einen Teil seiner wertvollsten Weiden und ein großes Waldstück unwiederbringlich wegsprengen zu lassen:

 

                                                                                                          Mackenheim, den 01.08.2002 

An Herrn
Karl Berghegger
Ortsstraße 28
69518 Mackenheim 

Erweiterung des Mackenheimer Steinbruchs 

Lieber Karl,

wir als Mitglieder der Bürgerinitiative beweinen die Zukunft Mackenheims, die Zukunft der Menschen, Tiere und Pflanzen, unsere und Deine Zukunft. Das sollst Du wissen.
Wir sind traurig und verzweifelt über Deine Entscheidung, Deinen Wald und Deine Weide als Steinbruch zu verkaufen.

Die meisten Mackenheimer, die sich gegen diese unselige Erweiterung des Steinbruchs aussprechen, suchten sich dieses Fleckchen Erde wegen seiner Schönheit aus. Das ist Mackenheims Kapital. Dies war eine bewusste Entscheidung von Menschen, die meist aus städtischen Gebieten kamen. Wie oft bewunderten wir diejenigen, die das Glück hatten, in Mackenheim leben und arbeiten zu dürfen!
Deinem Urgroßvater muss es wohl ähnlich ergangen sein. Mit seinen finanziellen Mitteln versuchte er, diese Schönheit zu erhalten und zu schützen. Schon damals agierten viele Menschen seines gesellschaftlichen Umfeldes nach rein wirtschaftlichen Kriterien. Er hätte demnach sein Geld vollständig z.B. in Aktien anlegen können. Aber, er entschied sich für ein großes Stück Land in Mackenheim.

Diese Entscheidung, das Land zu bewahren, ist eine positive Entscheidung. Das Land soll als Nutzen natürlich auch einen gewissen Wohlstand garantieren, dauerhaft. Wenn Du nun Dein ererbtes Land als Steinbruch freigibst, so bringt es für Dich einen Wohlstand, einen kurzfristigen. Wenn dieser kurzfristige Wohlstand genossen worden ist, was kommt dann? Soll dann weiteres Land geopfert werden? In Mackenheim ist schon viel Land zu Steinbruch geworden! Es ist genug!

Der „Steinbruch“ als Konzern wird mit Dir sicher verlockende Gespräche geführt haben, er wird Dich vehement zu diesem Schritt ermuntert haben, er wird Dich beruhigt haben, denn immerhin schaffst Du Arbeitsplätze, sorgst für die Gewinnoptimierung des Konzerns und erhältst einen „Gegenwert“.

Du bist Familienvater und trägst Verantwortung.

Dieses Wort „Verantwortung“ steht nun hier im Raum. Endlich. Was bedeutet überhaupt Verantwortung?

Wir, als Mackenheimer BI, fühlen uns verpflichtet, Einspruch einzulegen gegen die Erweiterung des Steinbruchs. Wir können und wollen die Folgen einer solchen Erweiterung nicht tragen, nicht verantworten.

Für uns ist der Begriff der Verantwortung umfassend. Wir meinen beispielsweise, dass Dein Beruf, der eines Landwirts, nur eine Berufung sein kann: „Sein Land nimmt er in Acht und Obhut, damit es ihm Wohlstand bringt“. Gleichzeitig bewahrt er es für die nachfolgenden Generationen.
Kann man einerseits Verantwortung übernehmen und andererseits Verantwortung verweigern?
Nein, es ist wahrhaftig nicht leicht, eine lebenslange Verantwortung zu tragen!
So viele Möglichkeiten gibt es, Dein ererbtes Land zu bewahren und dennoch zu Wohlstand zu gelangen. 

Aber, das Wichtigste scheint uns zu sein, dass man liebt: die Menschen, die Tiere, die Pflanzen, das Leben, die Arbeit, die Heimat.
Und Mackenheim hat es verdient, bedingungslos geliebt zu werden!

Wir fürchten uns vor dieser schrecklichen Erweiterung des Steinbruchs. Für alle Mackenheimer ist das eine Katastrophe: Näher rückende Sprengungen, Lärm, Staub, versiegende Quellen.

Wir sehen aber auch Einschnitte in das dörfliche Leben. Ein wesentlicher Teil des dörflichen Lebens ist das Zusammenleben, die Dorfgemeinschaft und die war in Mackenheim bis in die jüngste Vergangenheit vorhanden. Sie zeigte sich in vielfältiger Weise, wie z.B. in gemeinsamen Unternehmungen oder in Form der Nachbarschaftshilfe. Nun ist auch hier ein Stück Leben verloren gegangen.

Und was wird aus deinem Hofgut Berghegger? Diese Frage stellen sich inzwischen selbst eingefleischte Abtsteinacher, weil sich niemand vorstellen kann, dass man ein gigantisches Abbaugelände direkt neben seinem Hofgut einrichtet. Du beteuerst zwar, hier in Mackenheim bleiben zu wollen. Wirklich?
Was wird aus diesem Hofgut, das im weiten Umkreis bekannt ist?
Wiederholt sich die Geschichte? Jemand kauft einen Hof. Diesmal jedoch nicht, um ihn zu bewahren, sondern um ihn als Split in Beton und auf Straßen zu verteilen. Dieser Gedanke tut uns sehr weh!
Vor allem schmerzt dieser Gedanke auch Deine Angehörigen. Sie haben über Jahrzehnte teilgehabt an der Entwicklung des Hofes, sie wissen auch um schwere Zeiten, zweifellos. Aber gerade sie sind unendlich traurig über die derzeitige Entwicklung. In all ihrer Trauer wurden sie aber stark und aktiv, frei jeglicher Beeinflussung, denn sie haben erkannt, welche Apokalypse auf ihre, unsere und Deine Heimat zukommt. Sie haben ihre Fassung verloren und sind dennoch mutig genug, sich der Situation zu stellen. Sie kämpfen! Sie kämpfen um den Erhalt der Natur, der geliebten Landschaft und unser aller Lebensqualität.

Unser gemeinsames Engagement sehen wir als bittere Notwendigkeit – denn wir lieben unsere Heimat Mackenheim. Gleichzeitig wirft sich uns allen die Frage nach dem Sinn und den Zielen des Lebens auf.

Du hast es in der Hand, Dein von den Vätern ererbtes Land wohlbringend zu nutzen, zu bearbeiten und gleichzeitig sinnstiftend zu bewahren!

In einer alten indianischen Weisheit sehen wir unsere Gedanken zusammengefasst:

Alles hat seinen Geist.
Ein Tal, ein Berghang, ein Gehölz.
Rühre nichts an, keinen Stein, hörst du!
Zerstöre nichts, keinen Grashalm, keinen Baum.
Lass die Sandkörner an ihrem Platz und die Berge.

Alles hat seinen Geist.
Was willst du verändern,
was könntest du besser machen?

Ganz von selbst erhebt sich Abendwind
und schließt die Blüten.
 

Mit den besten Grüßen
(Unterschrift aller Mitglieder des Sprecherausschusses)  

 

Eine Antwort des Landverkäufers blieb aus.

   

 

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